Autosuggestion
Suggestion bezeichnet die gezielte Beeinflussung des Unterbewusstseins unter Umgehung willentlicher Kontrollmöglichkeiten. Das geschieht selbst im Alltag ständig und kann erwiesenermaßen hoch wirksam sein.
So gesehen ist bewusste Autosuggestion aber eigentlich ein logischer Nonsens: Ich kann mir nicht willentlich unter Umgehung meines Bewusstseins selbst etwas suggerieren. Deshalb wird "Autosuggestion" von den meisten Vertretern des "positiven Denkens" auch ganz einfach mit "Selbstinstruktion" oder "Selbstaffirmation" gleichgesetzt (was eigentlich etwas völlig anderes ist). Damit werden dann zumeist Techniken beschrieben, die schlichten Gemütern die frohe Botschaft verkünden, man könne das eigene Unterbewusstsein mit magischen Sprüchen neu programmieren, wenn man die nur positiv formuliert (Negationen werden vom Unterbewusstsein angeblich ignoriert) und oft genug wiederholt. Solche Ansätze findet man insbesondere im populären Positiven
Denken. Sie gehen auf den Urvater der Autosuggestion, den französischen Apotheker Emile Coué zurück.
Wenn das wirklich so wäre, dann müsste ja logischerweise aus Allen, die in ihrer Kindheit von schlechten Eltern Sätze wie
"du kannst nichts", "du taugst nicht", "aus dir wird nie etwas"
eingeimpft bekommen haben die erfolgreichsten und selbstbewusstesten Menschen werden.
Meine Erfahrung mit Klienten, die sich an solche Sätze erinnern, ist das eher nicht.
Ich glaube auch nicht, dass Raucher schon deswegen an Lungenkrebs sterben, weil es ihnen auf den Zigarrettenpackungen suggeriert wird.
Und meines Wissens ist bisher auch noch kein Stotterer durch die Zauberformel
"ich kann frei und flüssig sprechen" nachhaltig von seinem Stottern befreit worden, und eine tief sitzende Angststörung wird sich durch
"ich bin mutig und trotze der Gefahr" auch nicht sonderlich beeindrucken lassen. Im Gegenteil: mit solchen Selbstinstruktionen setzen sich viele Betroffene nur noch mehr unter Druck, und wenn dann der Erfolg ausbleibt, entsteht ein weiteres Mißerfolgserlebnis, das einen Teufelskreis aus Versagensängsten und tatsächlichem Scheitern zusätzlich schürt.
Ist Autosuggestion deshalb generell eine obsolete Methode?
Nein, aber wir brauchen eine andere Vorgehensweise.
Der Urvater der Autosuggestion, Emile Coue' hatte zwar im 19. Jahrhundert selbst mit unsinnigen Selbstinstruktionen gearbeitet, aber zunächst eigentlich das Richtige erkannt, nämlich dass es neben der Ebene des bewussten Verstandes noch eine tiefere, weitgehend unwillkürlich arbeitende Ebene des Bewusstseins gibt, die nicht mit Worten, sondern mit Gefühlen und Bildvorstellungen arbeitet. Coué nannte das die Ebene der Vorstellungskraft. Und dass die Vorstellungskraft um ein Vielfaches mächtiger ist als die Ebene des bewussten Verstandes.
In der heutigen Sprache lässt sich das so formulieren: Wir sind geprägt durch Erfahrungen, die in unserem autobiographischen Langzeitgedächtnis abgespeichert sind. Dessen Inhalt besteht in erster Linie nicht aus Worten und Sätzen, sondern aus Bildern und Gefühlen, die in einem komplexen Netzwerk miteinander verbunden sind. Diese Erfahrungen wirken in der Gegenwart wie scripte bzw. Programme, die automatisch abgerufen werden, wenn es entsprechende Auslösereize gibt.
Wenn wir nun mit einzelnen dieser Programme unzufrieden sind und sie gezielt "umprogrammieren" wollen, geht das nur, wenn wir die Bilder und Szenen, die ihnen zugrunde liegen, aus dem autobiographischen Langzeitgedächtnis in den "Arbeitsspeicher" des Bewusstseins holen und dort neu bearbeiten.
Die Autosuggestion ist dann eine Funktion der Vorstellungskraft, aber einer, die nicht unbewusst und unwillkürlich geschieht, sondern aus einer, die zu einer bewussten und kontrollierten wird.
Dazu gibt es eine Reihe von Techniken und Übungen, die Sie sich anfangs unter Anleitung erarbeiten sollten, später dann selbständig zuhause durchführen können.

|