Emotionen

Emotionen bestimmen unser Leben weitaus mehr als alles andere.

Sie beeinflussen unseren Energiehaushalt, entscheiden worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, welche Entscheidungen wir treffen und wie wir denken.

Wieso ist das so?

Das ist so, weil die Evolution dafür gesorgt hat, dass alles, was wir über unsere Sinne wahrnehmen, im Gehirn zunächst einmal "gefühlt" vorverarbeitet wird, bevor es an die Verstandesregionen weitergeleitet wird. Das macht Sinn, weil diese intuitive  Form der Informationsbearbeitung sehr viel schneller und komplexer geschieht als die gedankliche.

Zwei Arten von Gefühlen

Dabei lassen sich gefühlte Wahrnehmungen grob in zwei Kategorien unterteilen, und damit werden auch bereits spontane Verhaltensmuster vorgezeichnet:

  • angenehme Gefühle = will haben

  • unangenehme Gefühle = will vermeiden

Was wir als angenehm oder unangenehm empfinden, hat sowohl etwas mit den gesammelten und vererbten Erfahrungen unserer Vorfahren zu tun wie auch mit unseren eigenen, individuellen Erfahrungen.

Bereits diese grobe Einteilung hat aber weitreichende Konsequenzen, und zwar sowohl gute wie schlechte, beispielsweise:

  • angenehme Gefühle sorgen für innere Ausgeglichenheit, positive Gedanken und sind der beste Schutz vor Stress und psychosomatischen Erkrankungen
  • unangenehme Gefühle können warnen und vor Gefahren schützen

aber auch dafür sorgen dass ...

  • ... wir uns lieber für angenehme Lügen als für unangenehme Wahrheiten öffnen
  • ... lieber bequem alte Fehler wiederholen als anstrengend nach neuen Lösungen suchen

 

Emotionale Zustände

Eigentlich solten wir eher von emotionalen Zuständen oder emotionalen Programmen sprechen als lediglich von Emotionen, denn Emotionen sind fast immer auch mit komplexeren Verhaltens- , Verarbeitungs-  und Denkmustern verbunden.

akute und chronische emotionale Zustände

Natürliche Emotionen wie Freude, Angst, Trauer oder Wut sind immer auf bestimmte auslösende Situationen bezogen und von geringer Dauer. Es kann aber geschehen, dass sie sich verfestigen und chronifizieren. Häufig ist das beim Zustand der Trauer der Fall, aber auch bei der Angst, der Wut oder dem Ekel. Und da Emotionen immer in den Energiehaushalt eingreifen, können solche Chronifizierungen nachhaltig dass innere Gleichgewicht zerstören und auch körperlich krank machen, indem sie das Immunsystem wie auch das Herz-Kreislaufsystem übermäßig belasten.

Chronifizierung emotionaler Zustände

Emotionen können zu Dauerzuständen werden, wenn ihre Verarbeitung nicht gelingt. Und das kann einmal sein, wenn wir versuchen, sie zu verdrängen, weil die Konfrontation mit ihnen unangenehm ist (Vermeidungsverhalten) oder wenn sie unser Bewusstsein nicht erreichen können, weil ihre Ursprünge weit in der Kindheit zurück liegen, so dass wir keine bewusste Erinnerung mehr an ihren Entstehungskontext haben.

Biographisch geprägte Gefühle entstehen in der individuellen Lebensgeschichte durch Erfahrungen wie zum Beispiel einen Mangel an emotionaler Geborgenheit oder seelische Verletzungen. Sie können sehr vielfältig wahrgenommen werden, beispielsweise als innere Unsicherheit, Minderwertigkeitsgefühl, Hilflosigkeit oder Mangel an Selbstwertgefühl. Viele erworbene emotionale Zustände schränken die Lebensqualität nachhaltig ein.

Ursache psychischer Störungen

Die Ursache psychischer- bzw. psychosomatischer Störungen sind eigentlich immer chronifizierte emotionale Zustände. Und sie sind in der Regel auch dafür verantwortlich, wenn ein Loslassen bzw. ein Zurückfinden in das innere Gleichgewicht nicht gelingt. Minitraumata in Form seelischer Verletzungen führen zu einer tief festgesetzten Überzeugung, ungerecht behandelt worden zu sein (was im allgemeinen auch stimmt), und das wiederum führt zu einer verständlichen, aber fatalen Logik: Wenn ich Opfer bin, ist der Täter für meinen Zustand verantwortlich, und nur über ihn führt der Weg zurück zu meinem Wohlergehen. Das funktioniert aber nicht. Deshalb besteht oft der erste und wichtigste Schritt in der Therapie darin, genau diese (unterbewusste) Überzeugung über Bord zu werfen und stattdessen eigene Verantwortlichkeit für sich selbst zu entwickeln.  

Emotionen und imaginative Therapie

In der Imaginationstherapie arbeiten wir an emotionalen Zuständen entweder in symbolisch transformierten Gestalten, die im Tagtraum zum Beispiel in Form von wilden Tieren, Fabelwesen oder Unwettern auftreten, oder in Realszenen, zum Beispiel erinnerten Szenen aus der eigenen Biographie. Damit erreichen wir, emotionale Zustände einer bewussten Wahrnehmung, Neuverarbeitung und verbesserten Selbstkontrolle zugänglich zu machen.