Traumatherapie

Unter einem Psychotrauma verstehen wir eine emotionale Störung, deren eindeutige Ursache eine seelische Verletzung durch ein nicht bewältigtes Lebensereignis ist. Das heißt, ohne das traumatisierende Ereignis gäbe es die Störung nicht. Noch mehr als bei anderen Angstformen steht bei psychotraumatischen Störungen die Nicht-Kontrollierbarkeit mit dem Gefühl der Hilflosigkeit im Zentrum des Erlebens.

Traumatische Lebensereignisse sind zum Beispiel:

  • sexueller Missbrauch

  • Gewalterfahrung

  • schwere Unfälle

 

Nicht nur die eigentlichen Opfer können traumatisiert sein, sondern ebenso auch mittelbar Beteiligte wie beispielsweise Zeugen oder überforderte Helfer.

In einem erweiterten Sinn können auch andere Lebensereignisse gravierende traumatische Spuren hinterlassen, zum Beispiel:

  • Der Tod eines geliebten Menschen

  • Die Mitteilung einer lebensbedrohlichen Erkrankung

  • Scheidung der Eltern insbesondere bei Klein- und Schulkindern

  • Emotionale Vernachlässigung insbesondere in der frühen Kindheit

  • Zurückweisung durch wichtige Bezugspersonen

 

Die Symptome können unmittelbar nach dem Ereignis auftreten, aber auch erst mit erheblicher Verzögerung, manchmal erst Jahre später oder erneut nachdem sie schon längere Zeit verschwunden schienen. Zu den typischen Symptomen gehören insbesondere:

primäre Symptome:

  • Alb- bzw. Stressträume

  • unwillkürliches virtuelles Wiedererleben der traumatischen Szenen

  • Störung der Körperwahrnehmung

 

sekundäre Symptome:

  • erhöhte Schreckhaftigkeit

  • erhöhte Reizbarkeit und aggressive Grundstimmung

  • hyperaktives Verhalten

  • je nach Art des Traumas: geringe Frustrationstoleranz in sozialen Beziehungen

  • körperliche psychosomatische Störungen

 

Die sekundären Symptome ergeben sich hauptsächlich daraus, dass die Betroffenen versuchen, diejenigen (tieferen) Bewusstseinszustände zu vermeiden, in denen verstärkt die Gefahr eines Wiederauftauchens traumatischer Bilder und Gefühle bestehen. Das ist einerseits ein verständlicher Selbstschutz, verfestigt andererseits aber auch die Angst und blockiert die seelischen Ressourcen eben dieser vermiedenen Bewusstseinsebenen.

Gescheiterte Ehen bzw. Partnerschaften stellen nicht selten unbewusste Strategien dar, früher erlittene emotionale Traumatisierungen zu verarbeiten.

Nicht immer sind den Betroffenen die Ursachen bewusst, so dass es ihnen natürlich dann auch schwer fällt, die Symptome richtig zu deuten bzw. den Zusammenhang zwischen den Symptomen und den Ursachen zu sehen. Allerdings kommt es auch vor, dass bereits die Vermutung eines frühkindlichen Traumas, das so nicht unbedingt stattgefunden haben muss, entsprechende Symptome hervorruft.

Imaginationstherapie

In der Therapie muss es das vorrangige Ziel sein, das verloren gegangene Vertrauen in die emotionale Selbstkontrolle wieder herzustellen. Das geschieht zunächst durch imaginative Übungen mit Bildsymbolen, die noch keinen direkten Bezug zum Trauma haben. Eine behutsame Konfrontation mit dem traumatischen Ereignis muss auch erfolgen, aber erst nach einer ausreichenden Stabilisierungsphase. Kontrolle hat zu Beginn der Therapie unbedingt Vorrang vor Wiedererleben. Abgeschlossen ist eine Therapie aber erst, wenn auch auf einer unterbewussten, vom Willen nicht mehr kontrollierbaren Ebene eine Neuverarbeitung stattgefunden hat.