Unterbewusstsein / das Unbewusste
Unbewusste Prozesse der Informationsverarbeitung prägen den weitaus größten Teil unseres Denkens, Fühlens und Handelns. Bevor eine Information den Bereich der bewussten Wahrnehmung erreicht, hat sie schon eine Fülle von unbewussten Verarbeitungsprozessen durchlaufen, Bewertungen erfahren, oder sie wurde eliminiert.
So gesehen kann man sagen, dass unser bewusstes Denken im wesentlichen das Ergebnis unterbewusster Hirntätigkeit ist und nicht der eigentliche Prozess der Verarbeitung. Vereinfacht gesagt: wir denken intuitiv und unser Verstand liefert dafür die Begründungen.
Aber können wir unserem Unbewussten deshalb Intelligenz attestieren?
Nein, sicher nicht. Die unbewussten Bereiche folgen keinem reinen Erkenntnisinteresse, sondern dem biologischen Prinzip der Selbsterhaltung. Dazu gehört vor allem ein sparsamer Umgangs mit Ressourcen. Unbewusste Verarbeitungsprozesse sind schneller und energiesparender als bewusste. Außerdem hätte das Bewusstsein auch gar nicht die Kapazität, alle eingehenden Informationen zu verarbeiten.
Wodurch spart unser Gehirn Ressourcen?
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es filtert eingehende Informationen nach den Kriterien “passt” oder “passt nicht”. Was sich mühelos in das bereits bestehende mentale Netzwerk integrieren lässt, wird abgespeichert, was nicht kompatibel ist, wird so gut es geht abgewehrt und ausgesondert. Dadurch können berstehende Welt- und Selbstbilder stabil gehalten werden. Andernfalls wäre unser Gehirn andauernd damit beschäftigt, das bestehende Glaubenssystem zu hinterfragen und ggf. neu zu ordnen.
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es speichert aktuell nicht benötigte Daten im unbewussten Langzeitgedächtnis, wo sie ruhen und kaum Energie verbrauchen, bis sie durch Auslösereize wieder abgerufen werden
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es greift bei anstehenden Entscheidungen auf bereits abgespeicherte Musterlösungen zurück, sofern solche vorhanden sind.
Sie sollten wissen, dass Ihr Unterbewusstsein nicht primär an Kriterien wie Wahrheit oder Objektivität interessiert ist, sondern an den Kriterien der Stabilität und Energieersparnis. Flapsiger ausgedrückt: es ist konservativ und faul.
Die “heilsame Krise”
Wenn sich alte Wahrnehmungsmuster und neue, emotional starke Eindrücke oder Erkenntnisse nicht zusammenfügen lassen, bedeutet das für unser Unterbewusstsein hochgradigen Stress. Denn dann muss es sich von gewohnten Verarbeitungsmustern befreien und sich neu organisieren. Solche Vorgänge nehmen wir dann als aufwühlend wahr, die nächtlichen Träume werden heftiger und emotionaler, aber auch tagsüber ist zu spüren, dass sich in unserem Inneren etwas bewegt. Einer
der Urväter der Psychotherapie, Franz-Anton Messmer, sprach von einer “heilsamen Krise”, die vorübergehender, aber notwendiger Ausdruck einer solchen Neuorientierung ist. In der modernen Therapie achten wir darauf, dass diese kreativen Stresserlebnisse in erträglichen Dosierungen stattfinden.
Und das ist der Hauptgrund, warum es Psychotherapeuten gibt:
Unser Unterbewusstsein ist nämlich Schuld daran, dass wir oft an alten Denk- und Verhaltensmustern festhalten, die irgendwann einmal entstanden sind und vielleicht damals auch notwendig waren, aber längst aufgehört haben, sinnvoll und nützlich zu sein. Psychologisch hat das unter Umständen eine gewisse Tragik: wenn nämlich das bereits vorhandene Welt- bzw. Selbstbild ein negatives ist, wählt das Unterbewusstsein auch vorzugsweise negativ gefärbte neue Informationen aus,
während es die positiven eliminiert - umgekehrt natürlich auch. Dadurch können unter Umständen Problembilder, die aus der frühen Kindheit stammen, immer wieder bestätigt werden, selbst wenn es eigentlich positive Entwicklungen gäbe.
Sind wir dann unserem Unbewussten ausgeliefert?
Nein, so wie manche Ergebnisse der Hirnforscher es nahelegen könnten, ist es zum Glück nicht: die menschliche Evolution hat dafür gesorgt, dass sich auch der bewusste Verstand entwickelt hat. Dessen Sinn besteht darin, die Impulse, die aus dem Unbewussten kommen, ggf. kritisch zu überprüfen und zu korrigieren. Das tut er zwar meistens nicht, weil es anstrengend ist, aber die Fähigkeit, das zu tun, hat er.
In der psychologischen Arbeit erfolgt der Umbau durch eine Neuverarbeitung biographischer Erlebnisse. Diese müssen dazu aus dem unbewussten Langzeitgedächtnis ins Bewusstsein geholt werden und können dort neu bewertet und auf einer reiferen Entwicklungsstufe neu verarbeitet werden.
Manchmal wehrt sich unser Unterbewusstsein trotzdem heftig gegen eine Neuordnung. Sigmund Freud nannte das “Widerstand”, und manchmal setzt sich die alte Ordnung auch durch, insbesondere wenn wir versuchen, mit der Brechstange zu arbeiten. Deshalb ist es unerlässlich, eine therapeutische Neuorientierung als einen Prozess zu begreifen, der gleichberechtigt und koordiniert auf allen Ebenen des Bewusstseins geschieht.
Psychotherapie kann als Vermittler zwischen den Ebenen des Bewusstseins einen entscheidenden Beitrag leisten, dass der innere Dialog zustande kommt und Synergieeffekte genutzt werden können.

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